Alten Brunnenschacht zu neuem Leben erwecken: Reaktivieren, entschlammen und aufhübschen des alten Brunnenschachts

Mit dem Erwerb unseres Grundstücks, wurde auch ein alter Brunnenschacht übernommen. Dieser ist wie das Haus selber beinahe 60 Jahre alt und durch uralten Rohrleitungen mit dem beinahe genauso alten, aber unterdessen leider absolut funktionslosen, Hauswerk verbunden. Obwohl das Hauswasserwerk schon lange außer Betrieb war, bin ich davon ausgegangen das aus dem Brunnen noch ordentlich Wasser zu holen ist. Immerhin was das alte Hauswasserwerk ein ordentlicher Klotz.

Was halfen die besten Annahmen, wenn man sie nicht vorher überprüft? Also wurde im ersten Sommer der Versuch unternommen, Wasser aus dem Brunnen zu entnehmen. Natürlich waren dafür die alten Steigleitungen unbrauchbar und so mussten wir uns neben einer neuen Brunnenpumpe auch das passende Zubehör besorgen. Nach der behelfsmäßigen Installation hieß es auch schon Wasser marsch. War das ein freudig erregtes Gefühl den Garten mit seinem eigenem Wasser zu gießen, aber leider war das Vergnügen von sehr kurzer Dauer. Es dürften keine 30 Sekunden vergangen sein, dann war auch schon Schluss mit der Fröhlichkeit. Ein Blick in den offenen Schacht offenbarte das Geheimnis der kurzen Begeisterung. Der Schacht war leer und dort wo vorher Wasser stand, ist nur noch ein kleines und nicht mehr ansaugfähiges Pfützenchen zu sehen.

Was nun, fragten wir uns. Den Brunnen einfach stilllegen oder uns die Mühe machen und den Brunnen tiefer ausschachten? Und wenn wir den Brunnen tiefer ausschachten, hatte das überhaupt Erfolg? Nach einigen hin und her entschieden wir uns das Thema Brunnen einfach aufzuschieben und uns vorerst um die vielen anderen Projekte des Garten zu kümmern.

So ganz in Ruhe gelassen hat mich das Thema dann aber doch nicht und so erfuhr ich von den umliegenden alteingesessenen, dass es sich bei den Brunnenwasser um kein Grund sondern Schichtenwasser handelt. Anders als bei Grundwasser handelt es sich bei Schichtenwasser um aufgestautes Oberflächenwasser und ist weder mit dem Grundwasser verbunden, noch so ergiebig.

Sie erzählten mir auch, dass beinahe Jeder im Ort einen solchen “Oberflächenbrunnen” im Garten stehen hatte und diese auch sehr ergiebig waren. Größere Umbauten in der Nähe führten aber dazu, dass sich immer weniger Wasser in Schichten angestaut hat. Über die Jahre hinweg haben die meisten Anwohner ihren Brunnen einfach trocken stehen lassen oder ganz abgebaut. Dummerweise hätte auch ein tieferes bohren nach Grundwasser wenig bis gar keinen Sinn, da sich das Grundwasser hier in einer Tiefe von etwa 30 bis 40 Meter befindet.

Vierzig Meter graben, das klang nach einem echt schlechten Plan. Was aber möglich wäre oder was ich zumindest versuchen könnte, so der Plan des Nachbarn, wäre das reaktivieren des vorhanden Brunnens. “Immerhin steht ja bei dir noch Wasser drin”, hat er gesagt und das wären nicht die schlechtesten Zeichen.

Einen Brunnen reaktivieren.

Die Prozedur der Reaktivierung ist theoretisch auch sehr einfach! Brunnen bis zum unteren Rand ausschaufeln, um so Platz für das gestaute Wasser zu schaffen und dann eine Schicht (Filter)Kies einbringen. Anschließend regelmäßig Wasser pumpen. Mit etwas Glück würden so die natürlichen Wasserläufe gespült und das Wasser könnte sich schneller anstauen. Soweit die Theorie!

In der Praxis lässt sich das ganze aber ein bisschen beschissener durchführen. Immerhin befindet man sich in einem sehr beengten Raum in vier Meter tiefe. Ein schaufeln im herkömmlichen Sinne ist gar nicht erst möglich und selbst Schaufelwerkzeug mit extrem kurzem Stil verursacht immer noch offen Fingerknöchel und geschrammte Ellenbögen. Ganz zu schweigen vom entsorgen des alten ausgeschaufelten Brunnenguts.

Der bis zur Hälfte nur aus Wasser bestehende Eimer, musste von einem Zweiten ans Tageslicht befördert werden. Trotz behelfsmäßigen Dreibein und Umlenkrolle eine mühselige Aufgabe. Meine erste Idee einfach Löcher in die Eimer zu bohren, um so das sich darin befindliche Wasser ablaufen zu lassen, hatte nur mäßigen Erfolg. Durch den Schlamm sind die kleinen Löcher sofort dicht und wenn man die Löcher vergrößert, verdünnisiert sich der Schlamm durch diese bevor er oben angekommen ist. Nebenbei ist für den unten grabenden, die sowieso schon tropfend und siffige Angelegenheit, noch unerfreulicher. Ich weiß das!

Hingegen war die Idee mit einer abgesägten Schaufel und einem äußerst stabilen Fischernetz eine Gute. Nach gut vierzig bis fünfzig Eimer, war der Schacht auch schon bereit frischen Kies zu empfangen. Gott sei Dank.

In den nächsten Tagen wurde dann fleißig gegossen und zwar mehrmals am Tag. Die ersten Tage kamen gerade mal wenige Minuten Wasser, in den darauffolgenden Tagen wurde die Gießzeit aber immer länger. Peu à peu stieg die anfallende Wassermenge und pendelte sich bei etwa 300 bis 400 Liter ein. Das reicht locker um unser Gemüse und Ziergewächs mit Wasser zu versorgen und mehr wollten wir auch nicht.

Des Brunnens neue Kleider

Der Brunnen sorgte zwar mittlerweile für ausreichend Feuchtigkeit, sah aber gelinde gesagt immer noch bescheiden aus. Ein in Bodennähe eingebuddelter Betonring samt Betondeckel war nicht gerade das was wir uns unter einer prächtigen Wasserstelle vorstellten. Ergo musste er aufgehübscht werden.

Vom Abfangen des Vorgartens waren noch einige Granitleisten über, so war es nur logisch diese hier aufzubrauchen. Leider hat der Restbestand nicht ganz ausgereicht und so mussten noch zwei (!!!) nachgekauft werden – Egal.

Meine erste Aufgabe bestand darin, den oberste Schacht des Brunnens auszugraben und mit Mineralbeton aufzufüllen. Anschließend wurden die Granitleisten in eine erdfeuchte Betonmischung gesetzt und mit Holzkeilen in einer einigermaßen homogenen Optik fixiert.

Der obere Rand wurde mit querliegenden und auf Gehrung zurecht geschnittenen Granitleisten realisiert und hier zeigt sich ganz deutlich der Vorteil von hochwertigen Werkzeug.

Während das Granitschneiden mit einer Standard 10 Euro Diamantscheibe so lala war und nach knapp fünf Schnitten schon zu ziegenbockähnlichen Hüpfeinlagen des Winkelschleifers führte, war der Schnitt mit einer teureren Trennscheibe (Amazon) ein echter Segen.

Angebot
Bosch ProfessionalDiamanttrennscheibe Expert für Stone, 230 x 22,23 x 2,4 x 12 mm, 2608602592
Zubehör für Werkzeuge und Elektrowerkzeuge; Qualität von Bosch
49,99 EUR

Klar hat sich diese auch verbraucht und musste an den Massen an Granit und Beton, die ich im Garten bisher geschnitten habe, schon nachgekauft werden. Es macht aber echt einen Unterschied ob sich das Blatt vierzigmal geradezu wie von selbst in Granit reinfrisst oder ob man mit erheblichen Kraftaufwand gerade mal zehn Schnitte schafft.

Etwas sorgen hatte ich bei den teils mehreren Zentimeter breiten Fugen des Brunnens. Immerhin mussten diese mit der typischen Trasszement-Quarzsand-Mischung (Verhältnis 1:2) aufgefüllt werden. Erdfeucht vermengt und mit Handschuhen in die Fugen eingedrückt ging das schon. Die Sorge war dennoch groß, ob diese auch den frostigen Winter überstehen würden.

Die Sorge war glücklicherweise Grundlos, denn mittlerweile hat der Brunnen 4 Jahre und 3 Winter hinter sich und sieht immer noch Top aus. Ausblühungen oder Abplatzungen im Bereich der Fugen blieben bisher aus uns auch die gelieferte Wassermenge schwankte seither nur geringfügig.

Mit den Jahren hat sich natürlich einiges getan am aussehen des Brunnens, obwohl soviel war es dann auch wieder nicht. Hier ein Wasserhahn, dort ein Schlauchaufroller und oben eine Granitleiste als Abschluss. Ansonsten nur ab und zu “Verschönerungsmaßnahmen” meiner Frau in Form von Blumen- und Pflanzentröge.

Fazit

Für meinen Teil bin ich echt zufrieden. Der Brunnen sieht nach Brunnen aus und die geförderte Wassermenge ist absolut ausreichend um auch an heißen Tagen das mindeste an Flüssigkeit bereitzustellen und darüberhinaus. Gut, es reicht jetzt nicht um einen englischen Rasen zu bewässern, wenn ich ehrlich bin nichtmal um irgendeinen Rasen zu wässern, aber es reicht für Beet und Strauch und mehr wollten wir gar nicht.

Das reaktivieren, beziehungsweise das Reinigen des Brunnens, hatte zumindest bei mir für richtig viel Erfolg gesorgt. Von Anfangs geschätzten mickrigen 30 Liter, stieg die Wassermenge auf knapp 300 Liter pro Gießeinheit. Echt super so ein Brunnen.


Schreibe einen Kommentar