Projekt Taverne (Toskana) – Episode 2: Böschung

Der Abriss selber ist für mich zwar glimpflich verlaufen (Bagger sei Dank), aber die dadurch entstandene Böschung muss ja irgendwie abgefangen werden. Das zukünftige mediterrane Eck liegt knapp 60 Zentimeter unterhalb des Grundstückes und sollte nicht irgendwann mit Erde überschwemmt werden.

Die altbekannten und für solche Zwecke oft hergenommenen Beton-L-Steine, kommen für uns auf keinen Fall in Frage. Genauso wenig Holzpalisaden oder die echt hässlichen Stapel Pflanzringe. Wenn überhaupt soll die Böschung so “mediterran” wie möglich aussehen, aber wie sieht eigentlich mediterran aus?

Eine vor Ort Visite

Um das herauszufinden eignet sich natürlich ein Besuch vor Ort am besten. Wie es der Zufall so will, führte unser diesjähriger Wanderurlaub an eben solchen Ort. Wäre ja gelacht wenn sich dort nichts mediterranes finden ließe.

Ich gebe zu, die letzte Haltestelle der italienischen Regionalbahn “Ferrovia Circumvesuviana” eignet sich nicht wirklich um mediterrane Lobgesänge zu verbreiten, aber ein paar Meter weiter sieht das ganze schon deutlich besser aus.

Die wunderschöne Gegend rund um die Sorrento- und Amalfiküste ist sicherlich einen, wenn nicht gar mehrere Artikel in der Rubrik “vor Ort” wert. Für diesen Artikel reicht es aber zu wissen, dass die bei mir so erhoffte mittelmeerische Stimmung sofort überschlug. Selbst wenn man das Mittelmeer nicht in Blickfeld hat oder dessen salzige Anwesenheit weder riecht noch spürt, fühlt man sich dem Mittelmeer dennoch nahe, aber warum? Kurzum, was macht die mediterrane Gegend so mediterran?

Es muss ja etwas geben was man hierzulande eher selten findet. Dieses Irgendetwas ist meiner Meinung nach die Leichtigkeit und Unbekümmertheit in allen Dingen. Das spiegelt sich nicht nur im Tagesablauf der Bewohner und dessen Gemüter wieder, sondern auch in der Einfachheit der Gestaltung.

Es fällt einem besonders ins Auge, dass man mit nötigsten voll zufrieden ist. Wenn ich speziell in Richtung meiner Mauer denke, findet man zwischen den Orangen- und Olivenhainen meist auf einfachste Weise Natursteine verbaut und das ist der Clou an der Sache. Natursteine in Beige, Natursteine in Weiß, Natursteine behauen oder Natursteine in ihrer natürlichen Form! Zweckmäßig und Funktional ist hier die Maxime.

Was auch auffällt ist, ist was einem nicht auffällt! Man findet weder Betonmauern noch Ziegel- oder Backsteinmauern. Versteht mich bitte nicht falsch, mir war schon klar das es hier sehr viele Mauerwerke aus einfachen Felsbrocken geben wird, aber ausschließlich? Genauso oft hätte ich Garten- oder Stützmauern aus Ziegel-, Back- oder Klinkersteine erwartet, aber Nein, nicht hier. Wenn überhaupt dominiert hier eindeutig die Farbe Beige in ihrer felsigsten Form.

Schon vor Ort war mir klar, dass es bei uns zuhause keine fertige Natursteinmauer aus Back- oder gefärbten Betonsteinen geben wird. Ihr wisst schon, solch Fertigbausätze mit glorreichen Namen wie “Toskana Steinmauer” oder “Ruinenmauer mediterran” (googelt einfach mal danach). Nein, in unserem MittelmeerFlair Eck müssen Mauerwerke nach Sorrentem Vorbild erbaut werden, koste es was es wolle, oder “quod velit cost” wie der Römer sagen würde.

Frisch und Frostsicher ans Werk

Zuhause angekommen wurden auch gleich die üblichen Verdächtigen für Steinlieferungen abgeklappert. Dabei erfuhr ich etwas, was ich im Vorhinein so gar nicht auf dem Radar hatte! Es gibt doch tatsächlich frostbeständige und nicht frostbeständige Bruchsteine. Während die einen über Väterchen Frost nur lachen können, zerbröseln die anderen schon bei der ersten Erwähnung des Wortes Winter. Mit derlei Info ausgestattet, ließ ich mir die nächsten Tage knapp 30 Tonnen des frostbeständigen Minerals liefern.

Ich gebe zu, kurz vor dem abkippen wurde ich vom Fahrer noch gefragt ob die Steine auch tatsächlich die richtige Größe haben. Schon bei der Frage hätte ich eigentlich misstrauisch werden sollen, aber anstatt meinen Hintern auf den LKW zu wuchten, höre ich mich noch “Passt schon” rufen.

Anhand der ersten Rutsch- und Poltergeräusche ahnte ich schon furchtbares. Die von mir geforderten LBM 5-40 (10-20 kg) Bruchsteine, waren in Wahrheit ein Mix aus LMB 5-200 (10-120 kg) Steine.

Nun gut, jetzt liegen sie halt da. Die größten knapp 80 Zentimeter lang und sicherlich hundert Tonnen schwer. Der von mir so lieb gewonnene Bagger kann mir leider nicht helfen. Er kommt weder an die Steine, noch an dem für die Steine vorgesehen Platz ran. Alles klar, also dann ohne Bagger. Ich höre ich meinen Körper schon nach Magnesium schreien. Hilft ja nix, muss man(n) halt durch.

Mein vier Punkte Plan

Ich habe echt lange im Internet recherchiert, aber es gibt nicht sonderlich viele Baupläne für eine kleine Böschungen aus Wasserbausteinen. Generell gibt es über Mauerwerke aus Bruchstein erschreckend wenig Lesematerial. Aus dem wenigen was ich finden konnte, habe ich mir dann Grob einen persönlichen vier Punkte Plan zusammengestellt. Dieser hat natürlich keinen Anspruch auf Korrektheit oder wurde von Experten abgenickt, sondern ist nur ein ganz persönlicher Entwurf für mich persönlich. Somit dürfte ich schon im Vorhinein jegliche “…ich muss da mal was richtigstellen…” Kommentare vermieden haben *grins*.

  • Punkt 1 – Der Unterbau, bzw. das Fundament
    Stabil und fest sollte er sein, im besten Fall verdichteter Schotter oder Mineralbeton.
  • Punkt 2 – Größere Steine unten, kleinere oben und flache Steine als Abschluss.
    Am besten man sortiert die Steine grob in groß, mittel, klein und Flach, so erspart man sich beim Bau die ständige Suche. Apropos Suche, da kommen wir auch schon zu Punkt 3.
  • Punkt 3 – Möglichst im Verband verlegen
    Den Namen Kreuzfuge dürften die meisten schon mal gehört haben. Bei der Natursteinmauer sollte diese aber tunlichst vermieden werden. Seltsamerweise kommen solche Kreuzfugen öfter zustande als man glauben mag, obwohl die Form der Steine so etwas gar nicht zulassen sollte.
  • Punkt 4 – Geduld und Spucke
    Natursteine haben einen gravierenden Nachteil gegenüber seinen mechanisch bearbeiteten Steinen. Sie sind total uneinheitlich und unsymmetrisch und müssen deshalb wie ein Puzzle zusammengesucht, gedreht und gestapelt werden.

Alle vier Punkte habe ich versucht so gut es geht einzuhalten, was nicht immer leicht war. Vor allem der letzter Punkt. Die großen Steine wogen gut und gerne 100 Kilo, dass macht ein ständiges drehen, verschieben und anheben zur Tortur.

Insbesondere wird nicht jeder Stein ein-, zwei- oder dreimal versucht einzupassen, nein er wird zigmal hingerollt, gedreht und angehoben. Irgendwann findet sich zwar ein passender Platz, aber bis dahin wurde ausnahmslos jeder Stein gefühlte zwanzigmal hin- und her, von links nach rechts getragen und auf dem Kopf gestellt. Vielleicht liegt es auch nur daran das man zu anspruchsvoll ist und man mit anwachsender Mauer auch immer pingeliger wird.

Heute ein König

Wenn dann die ersten Steine eine beinahe lückenlose Wandung ergeben, ist das befriedigende Gefühl danach echt unbeschreiblich und alle blauen Daumen und geschrammten Schienbeine vergessen.

Man arbeitet sich demnach einfach weiter voran, ein Stein nach dem anderen. Zwischendurch wird auch noch ein Granitstein als Treppenstufe gesetzt, welche glücklicherweise noch von anderen Projekten übrig geblieben ist.

Mit der alleinige Schlichtung war es natürlich nicht getan, das ganze muss ja zusätzlich auch hinterfüllt werden. Dazu wurde die untere Steinreihe mit einem gewissen Abstand zur Böschung gesetzt und zum Schluß mit einer Schotter-Erdmischung aufgefüllt. Auf eine Drainage habe ich verzichtet, ich denke das diese hier nicht nötig ist.

Veni vidi vici, würde ich sagen! Nach etlichen Stunden der Maloche ward die Mauer endlich fertig und ich natürlich auch. Alles was jetzt noch fehlt, ist die obere Fläche mit Erde aufzufüllen und Gras über die Sache wachsen zu lassen.

Von unten sieht das Ergebnis schon echt klasse aus. Wird bestimmt einmal ein schöner Anblick, wenn ich in der Lounge hockend und Weinglas schwenkend aus meiner bayrischen Toskana blicke. Etwas froh bin ich jetzt doch über die Fehlbestellung und die damit verbundenen viel zu großen Steine. Es sieht schon besser aus wenn große Felsbrocken ineinander übergehen, anstatt viele kleine. Dennoch schaudert es mir ein wenig, wenn ich an die bevorstehende Gartenmauer denke. Diese kann sich ja nicht einfach so angelehnt werden, sondern muss ja in irgendeiner Form selbsttragend sein.

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